Bärbel Spann

Bärbel Spann, geb. Schnepel,früher Bärbel Pacholek

 

Vita:

Bärbel Spann

 

Jahrgang 1961, in 2. Ehe verheiratet mit Rolf-Dieter Spann, wohnhaft in Dassel, von Beruf Verwaltungsangestellte in den Harz-Weser-Werkstätten in Dassel.

 

- Gründerin der Autorengruppe Fachwerk im Jahr 1994 und der Frauenliteratur­gruppe       Federkiel 1999.

    - Mitbegründerin des Künstlerkreises Collage Dassel 2003.

- 2003 Kunstscheune Collage, in der die ersten Bilderausstellungen und Lesungen stattfanden. Heute ist dort der Collage-Flohmarkt untergebracht.

 

 

Bücher und Veröffentlichungen:

1994: „Begegnungen“ - Gedichte und Kurzgeschichten

1997: „Die Tränen der Elfe“ - Roman

2004: „Blauherzig“ - Gedichte, mit Illustrationen von Rolf-D. Spann

2007: „Feuersteinland“ - Texte und Fotos von Rügen und Hiddensee

2016: „Tage wie dieser“

sowie zahlreiche Veröffentlichungen in Anthologien und Zeitungen und

mehrere thematische Texthefte gemeinsam mit Rolf-D. Spann zu Lesungen.

 

 

Aktivitäten:

- Mitorganisation der „Dasseler Kulturtage“ 2002 und 2004

- Mitorganisation sämtlicher Collage-Veranstaltungen

- Teilnahme an mehreren Ausstellungen mit Texten, Collagen und Fotografien.

- zahlreiche Einzel- und Gruppenlesungen in verschiedenen Orten (Dassel, Einbeck, Holzminden, Sievershausen, Lüthorst, Delligsen, Fredelsloh, Alfeld, Moringen, Uslar, Seesen, Göttingen, Lippoldsberg, Bevern, Goslar, Gieboldehausen, Baden­hausen, Boffzen, Peine, Lürdissen, Bad Gandersheim).

- Besuch des NDR in Dassel.

- Aufbau des Kunsthauses Collage Dassel 2010 mit Rolf-Dieter Spann.

- Besuch beim NDR in Hannover 2013 für die Collage, 2016 für Federkiel.

- 2014: 20jähr. Jubiläum Collage (vormals Fachwerk) u. 15jähr. Jubiläum Federkiel.

- 2014: Fotoausstellung „Waldgesichter“ in der Volksbank Dassel.

- 2015: gemeinsame Ausstellung mit Lesung auf dem Collage-Hof mit Rolf-D. Spann.

- 2017: Gemeinschaftsausstellung mit Rolf-Dieter Spann im Rathaus Dassel, "Blattwerk"

 

 

Veröffentlichungen:

 

 

 

 

 

 

     1994 "Begegnungen"
     Gedichte und Kurzgeschichten
     (Illustrationen: Jutta Schünemann)

     Selbstverlag

 

 

 

 

 

 

     1997 "Die Tränen der Elfe"
     Roman

     Snayder-Verlag
     ISBN: 3-932319-36-2

 

 

 

 

 

 

     

 

 

 

 

     2004 "Blauherzig"
     Liebeslyrik
     (Illustrationen: Rolf-Dieter Spann)

     Collage Verlag Dassel
     ISBN: 3-938357-00-2

 

 

 

 

 

 

     2007 "Feuersteinland"
     Lyrik und Prosa
     Inselimpressionen Rügen/Hiddensee
     (Fotografien: Bärbel Spann)

     Collage Verlag Dassel
     ISBN: 978-3-938357-05-7

 

 

 

     

 

 

     2015 "Tage wie dieser..."
     Lyrik und Prosa
     Inselimpressionen Rügen/Hiddensee
     (Layout, Covergestaltung, Satz und Foto

     Rolf-Dieter Spann)

     Collage Verlag Dassel

Textbeispiele:

 

Die Katze  (Verwandlungen)

 

Wenn sie es nicht möchte, dann siehst du sie nicht.

Sie verhält sich ganz ruhig und ist darauf erpicht,

nicht aufzufallen, liegt ganz still nur im Eckchen,

meistens auf einem sehr weichen, schönen Deckchen.

 

Sie hebt ihren Kopf von Zeit zu Zeit an,

schaut in die Runde zur Frau und zum Mann,

dann schließt sie die Augen bis auf einen Spalt

und denkt wohl bei sich: so werde ich alt.

 

Keine Hetze, kein Gerenne,

lieber lieg ich hier und penne,

genieße mein Leben,

auch ohne viel Streben.

 

Dann plötzlich fegt sie wie von Geisterhand

vom Sofa auf, hüpft außer Rand und Band

im Zimmer herum und hinaus auf den Flur

und wir fragen uns: Was hat sie denn nur?

 

Und so wandelt sich das Kätzchen zart

unvermittelt in eine ganz wilde Art.

Es springt, schreit und schaut entsetzt,

als wenn ein Tiger es grad hetzt.

 

Doch schon wenige Augenblicke später,

wird sie zum bösen Übeltäter,

sie fängt ein Mäuschen sich zum Spielen,

es ist ja eines nur von vielen.

 

Und später wird es dann gefressen,

darauf ist’s Kätzchen ganz versessen.

Wir sind es nicht, eher schockiert.

Doch haben wir noch nicht probiert.

 

10.10.2013

 

Erinnerung

 

Noch immer

kann ich dich hören,

liebkosende Worte

eine Stimme wie rauchiger Samt.

 

Noch immer

ist mir,

als sähe ich dich vor mir

im Morgenlicht,

das uns sanft weckt.

 

Noch immer

wünsche ich dich zurück.

 

Noch immer

glaube ich deine Berührung zu spüren,

deine Nähe zu fühlen,

unsere Zärtlichkeit zu erleben.

 

Noch immer

kann ich dich riechen,

dich schmecken,

dich wahrnehmen

mit all meinen Sinnen.

 

Noch immer

wünsche ich dich zurück.

 

Noch immer

sind diese Gefühle da,

in mir, tief verborgen,

verschlossen

in der Trauer des Verlustes.

 

Noch immer

sind sie da - ertränkt

in den Tränen der Zeit,

geschrieben auf einer Seite

meines Lebensbuches.

 

Noch immer

wünsche ich dich zurück.

 

Noch immer

immer noch -

stärker denn je …

 

2004

 

Freitod 1

 

Die Welt versinkt in tiefem Schmerz,

mit Dunkelheit gefüllt - mein Herz,

es schlägt jetzt schwer in meiner Brust,

weil Du, mein Lieber, gehen musst.

 

Nie werde ich den Grund verstehen,

nie mehr in Deine Augen sehen.

Mein Herz tut weh und blutet,

von Bildern wird es nun geflutet.

 

Bilder von Dir, aus guter Zeit,

sie scheint so weit, so weit, so weit …

Versunken ist das Licht der Welt,

gestorben ist mein junger Held.

 

Ich bin allein, fühl mich verloren.

Vor vielen Jahren hab ich Dich geboren.

Nun bist Du vor mir her gegangen,

lässt mich zurück voll dunklem Bangen.

 

Frieden hast Du nun gefunden,

hast diese Welt nun überwunden.

Das Leben wurde Dir zu schwer.

Ich vermisse Dich so sehr!

 

20.02.2017

 

Freitod 2

 

Ich halte deine Hand,

die kalt ist und zart,

schaue gegen die Wand,

die kalt ist und hart.

 

Ein Leben in Kälte

und Einsamkeit,

ein Weg der kalt ist

und noch so weit.

 

Kein Ende in Sicht,

kein Dank und kein Lohn,

verweintes Gesicht,

verlorener Sohn.

 

Dein Weg fand ein Ende

weit weg von mir.

Dein Weg nahm die Wende,

du bist nicht mehr hier.

 

Ich halte deine Hand

bleibe trauernd zurück,

schaue gegen die Wand.

Wo blieb mein Glück?

 

Du bist gegangen,

kehrst niemals wieder,

mit bleichen Wangen,

knie ich hier nieder.

 

Ich halte Deine Hand

und blicke zurück,

kalt ist die Wand,

fort ist mein Glück.

 

20.02.2017

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Seifenblasen

 

 

Wie Windtänzer balancieren sie auf Gedanken

und bestehen doch nur aus Träumen und Wünschen,

luftige Schlösschen verspielter, kindlicher Naturen,

durchscheinende Schmetterlinge ohne Flügel,

schillernde Edelsteine – wer putzte sie so blank!

Jemand atmete ihnen Leben ein, schickte sie auf Reisen,

hauchdünnes Häutchen umgibt ein Nichts voller Phantasie,

voller Zuversicht auf dem Weg gen Himmel,

auf dem Weg zu Dir – mit guten Gedanken.

 

09.02.2004

 

Farbmomente

 

Intensive Inselfarben

mit dem Auge abzulesen,

mit dem Herzen zu erfassen,

durch die Phantasie zu leben.

 

Das Rotbraun der Backsteinbauten,

das Gelb der Rapsfelder und des Ginsters,

das Grün der Felder und Alleen,

das Blau der Kornblumen und des Meeres,

 

das Weiß der Kreidefelsen,

das warme Gold des Bernsteins,

das Beige der Sandstrände

und die Farbvielfalt der Steine.

 

Farben, wohin man blickt,

locken und verführen ….

 

            

 

Aus Vergangenheit erwächst Zukunft.

Zukunft wird zu Vergangenheit.

Alles ist vergänglich …

 

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Farben der Vergänglichkeit

Welkes Blatt,

geschorene Wolle,

verblühter Ahorn,

vergossenes Blut

im fahlen Mondschein.

Verblichene Knochen,

grinsender Schädel,

leeres Schneckenhaus,

verlorene Seele

im zertretenen Gras.

 

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Am seidenen Faden hängt das Leben.

Es kann jederzeit reißen

oder durchtrennt werden.

 

18.12.2014

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Sie/Er

Sie

Er stand da und konnte seinen Blick nicht von ihr wenden. Im sanften Gegenlicht erschien sie fast durchsichtig, so zart und zerbrechlich. Er fürchtete beinahe, allein seine heimlichen Beob­achtungen könnten ihr Schaden zufügen. Vor seinem geistigen Auge drehte sie sich zu ihm um, blickte ihn für einen langen Moment an und dann zersprang sie in tausende Teile, wie ein Puzzle aus Glas. Der kleine Finger ihrer linken Hand flog direkt vor seinem Gesicht ent­lang, eines ihrer wunderschönen Ohren schien einen Augenblick lang neben seinem Kopf zu schweben. Und ihr langes, blondes Haar berührte ihn seidig an der Hand, auf seinem Weg zum Boden. All das geschah in völliger Lautlosigkeit; nicht einmal er selbst machte ein Ge­räusch, obwohl er sich sicher war, laut zu schreien vor Entsetzen. Sein Mund war geöffnet, aber nichts kam heraus. Als er zwinkerte, setzte sie sich augenblicklich wieder zusammen. Das Mädchen stand wie zuvor am Fenster, durch das ein sanftes Abendlicht fiel. Dieses umspielte sie wie eine Aura und tauchte ihren Körper in pastellfarbenes Rosa. Ein leichter Wind wehte herein und fächerte ihr offenes Haar auf. Es fiel ihr über die Schultern wie ein Tuch, dicht und schwer und zugleich doch ganz leicht, als habe es kein Gewicht. Fast überirdisch schön erschien ihm ihre Gestalt und er konnte sich gar nicht satt sehen an ihr. Reglos standen beide; sie am Fenster und blickte in die Ferne, er ein Stück hinter ihr, den Blick auf sie geheftet. Wie lange er schon so verweilte, hätte er nicht sagen können. Es spielte auch keine Rolle. Die Zeit schien den Atem anzuhalten und mit ihr die ganze Welt.

 

Er

Sie spürte seine Anwesenheit, ohne ihn zu sehen, ohne Wissen und doch mit Gewissheit. Geradezu körperlich konnte sie ihn fühlen, seine Blicke, sein Verlangen. Das Gefühl schien sich lautlos über die Luft zu ihr zu bewegen und sich auf ihre Schultern zu legen wie Hände. Da war ein leichter Druck, ganz sanft, beinahe zärtlich zu nennen. Wer mochte es sein, der sie da beobachtete? Seit sie vor dem Fenster stand und in den nahenden Abend hinaussah, erahnte sie ihn. Und dann änderte sich der Lichteinfall minimal und sie erkannte im Fenster­glas seinen Schattenriss. Die Silhouette eines Mannes, der an den rechten Türrahmen ge­lehnt stand, als wollte er sich dort stützen oder auch verbergen. Fürchtete er, dass sie sich zu ihm umdrehten könnte? Oder wartete er genau darauf? Ihr Herz pochte schneller, da sie nicht wusste, wie es sich mit dem Manne hinter ihr verhielt. Konnte sie ihm trauen oder wollte er ihr Böses? Ganz leise war sein Atmen zu hören, so leise, dass ihr war, als versuche er es zu unterdrücken. Am liebsten hätte sie ihm gesagt, er möge sich zeigen. Doch dazu hätte sie sprechen müssen, vielleicht sogar sich umwenden und ihn ansehen – und der Zauber des Moments wäre zerbrochen.

 

05.03.2012

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Fotoausstellung März 2014 in der Volksbank Dassel. "Waldgesichter"

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Beitrag zur Collage-Gemeinschaftsausstellung "Verwandlungen" 2014 im Rathaus Dassel